Die Philippinen

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Die Philippinen

Den Besucher oder die Besucherin, der/die Philippinen das erste Mal bereist, erwartet eine Überraschung. Die typischen Wahrzeichen der asiatischen Länder, Hindutempel, Buddhastatuen, Dogobas, sucht er/sie vergebens. Nur im moslemischen Süden des Landes sind Moscheen und schlanke Minarette zu finden. Stattdessen trifft der/die Reisende von Nordluzon bis zu den Süd-Visayas auf Tausende von Kirchen und Gotteshäuser. Die Philippinen sind das einzige katholische Land in Südostasien, und es ist nicht verwunderlich, dass man an andere Landschaften erinnert wird, an Teile Mittelamerikas vielleicht.
Eine gewisse Inkongruenz
scheint den 7107 Inseln zu eigen, und selbst in Bezug auf das philippinische Essen wird der Erwartungshorizont durchbrochen: keine scharfen Curries und keine stark gewürzten Satays. Vielmehr bietet die einheimische Küche eine ungewöhnlich milde, eher asketische Inselkost mit spanischem und chinesischem Einschlag.

Zwischen dem 21. und dem 5. Breitengrad, am äusseren Rand des Pazifischen Ozeans gelegen, bestehen die Philippinen eigentlich aus einer Reihe von halbversunkenen Gebirgsketten, die Teil einer grossen Cordillera sind, die sich von Indonesien bis nach Japan zieht.
In Nordsüdrichtung erstreckt sich das Land über 1840 km, während die grösste Entfernung zwischen seinen äusseren östlichen und westlichen Punkten 1104 km beträgt.
96% der über 300 000 qkm grossen Landfläche werden von 11 grossen Inseln eingenommen. Nicht mal eine von zehn philippinischen Inseln ist bewohnt. Die beiden grössten Inseln, Luzon und Mindanao, umfassen 65% der Gesamtfläche und ca. 60% der Bevölkerung. Die Landmasse des Archipels entspricht ungefähr der Italiens. Was den Küstenumfang anbelangt, so übertreffen die Philippineninseln, dank ihrer grossen Anzahl, denjenigen der Vereinigten Staaten.

Die Kombination von Meer und Gebirge hat sicherlich dazu beigetragen, dass das Inselreich keine wesentliche Rolle in der Geschichte Asiens spielte. Im Verlaufe von Tausenden von Jahren sahen China, Indonesien, Indien und Indochina (das heutige Vietnam, Myanmar und Laos) den Aufstieg und Fall grosser Dynastien und mächtiger Reiche. Von diesen folgenreichen historischen Ereignissen blieb der Archipel in geographischer und politischer Hinsicht unberührt. Er erlebte weder aufstrebende Königreiche, noch suchten ihn ehrgeizige Feldherren an der Spitze eroberungswütiger Armeen heim. Sogar nachdem der Islam auf den Südinseln Fuss gefasst hatte, waren die Auswirkungen örtlich begrenzt. Die Inseln waren alles andere als eine Nation.

Als die Spanier unter Ferdinand Magellan, auf der Suche nach Gewürzen, im Jahre 1521 zufällig auf die Inseln stiessen, fanden sie eine Ansammlung kleiner Sultante und Königreiche vor, aber keine Zentralmacht. Die Eingeborenen - von malaiisch-polynesischem Ursprung - waren Nachkommen der Völker, die im Laufe von 4000 Jahren eingewandert waren. Die Bevölkerungsstruktur machte es den Spaniern leicht, den Archipel zu kolonialisieren. Das Land ist von der spanischen Kolonialherrschaft ("400 Jahre Kloster") tief geprägt worden. Ebenso von der amerikanischen Besetzungszeit ("50 Jahre Hollywood").

Nachdem sich über die Kuba-Frage ein Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Amerika entzündet hatte, segelte am 1. Mai 1898 Admiral George Dewey mit einem Geschwader von sieben Schiffen in die Bucht von Manila und zerstörte in einer drei Stunden währenden Schlacht die 12 Schiffe der Spanier. Im August belagerten amerikanische Truppen Intramuros. Am Ende des spanisch-amerikanischen Konflikts überliess Spanien die Philippinen, Puerto Rico und Guam für 20 Mio. US-$ den USA.
Filipino-Guerilleros hatten sich mit den Amerikanern verbündet, waren aber äusserst verägert, dass sie statt Unabhängigkeit eine neue Kolonialregierung erhielten. Sie zettelten im Jahre 1900 eine Rebellion an, und erst zu Beginn des Jahres 1902 gelang es, die Inseln zu befrieden.
Am 15. November 1935 wurden die Philippinen zum Staat ernannt, mit der Aussicht auf Unabhängigkeit im Jahre 1945. Doch der Zweite Weltkrieg kam dazwischen.
Am 10 Dezember 1941 brachten die Japaner einen Expeditionsverband an Land, der sich (trotz Widerstand der amerikanischen und philippinischen Truppen General MacArthurs) bis zur Halbinsel Bataan durchkämpfte, die Festungsinsel Coregidor erstürmte, Manila besetzte und den gesamten Archipel überrannte. Auf der Flucht vor dem belagterten Coregidor am 6. Mai 1942 gelobte General MacArthur: "Ich werde zurückkehren". Was er am 20. Oktober1944, zusammen mit einer mächtigen amerikanischen Invasionsmacht, auch tat.
Mit der äusserst wirkungsvollen Unterstützung philippinisch-amerikanischer Streitkräfte erkämpften die Amerikaner sich ihren Weg zurück. Die Befreiung, die grossen Sachschaden angerichtet hat und sehr vielen Filipinos das Leben gekostet hat, wurde dennoch mit grossen Jubel begrüsst.
In der Nachkriegszeit widmeten sich die amerikanischen Behörden als erstes der Linderung der grossen Not, begannen dann mit den Vorbereitungen zur Erklärung der Unabhängigkeit (4. Juli 1946) und mit dem Wiederaufbau.